Trauma

Trauma

Das Wort Trauma ist heute in aller Munde!
In meinem Alltag erlebe ich oft, dass Menschen darüber sprechen, dass etwas traumatisierend oder traumatisch war, aber meist ist damit nicht gemeint, was ich für meine Arbeit als behandlungsbedürftiges Trauma betrachte.
Hier auf meiner Webseite kann ich nur eine eigentlich unzulässig vereinfachte Darstellung als Idee oder Perspektive aufzeigen, um Ihnen eine gewisse Vorstellung zu geben worum es geht.
Das traumatisierende Ereignis oder Lebenssituation liegt (meist) in der Vergangenheit. Daran kann keine Therapie was ändern.
Aber wenn eine Traumatisierung stattgefunden hat, dann zeigt sich das im heutigen Leben. Leider lässt sich dies nicht wie in einer Laboranalyse exakt festnageln. In der therapeutischen Arbeit geht es darum sogenannte Traumafolgestörungen als diese zu erkennen und Behandeln. Diese Auswirkungen des Trauma’s, die Folgestörungen, weisen uns den Weg für die gemeinsame Arbeit. Manchmal erschließen sich dabei Zusammenhänge aus der Vergangenheit, manchmal nicht. Ein Trauma muss nicht bewusst erinnert werden, um damit zu arbeiten. Aber der Körper, die Seele und das Leben erinnern sich sehr wohl und zeigen entsprechende Symptome oder Verhaltensweisen.
Unsere Körper und unser ganzes Sein sind ein Wunderwerk und haben all die Jahre nach dem Trauma oder der schwierigen Lebenssituation, alles daran gesetzt, dass wir trotzdem ‘durchs Leben kommen’, sonst wären wir heute nicht hier. Heute, viele Jahre nach dem Trauma, zeigt sich diese Bewältigungsstrategie womöglich in Symptomen, weil sie uns viel gekostet hat.

Bei dem Wort Trauma denken die meisten Menschen sofort an schlimme Ereignisse, z.B. einen Überfall, ein Unfall, ein sexueller Übergriff oder andere Formen von Gewalt.

Das wird in mancher Literatur als groß ‚T‘- Trauma bezeichnet, herkömmlich als Schock- oder Monotrauma.

Viel häufiger ist aber das klein ‚t‘-Trauma, das Entwicklungstrauma. Das Entwicklungstrauma entsteht im Groben durch zwei Handlungsstränge. Zum einen, dass Kinder zuhause Dinge erleben, die kein Kind erleben sollte: Gewalt, Strafen, OPs, Krankenhausaufenthalte, wiederholte Übergriffe, nicht altersgemäße Verantwortung, Co-Abhängigkeit, massiven Leistungsdruck, Unterdrückung oder Überforderung der normalen Entwicklung. Zum anderen, dass Kinder erleben, dass sie nicht kind- und altersgerecht versorgt werden. Ein Baby ist zu 100% davon abhängig, dass sich eine Bezugsperson verlässlich, zugewandt, empathisch den Bedürfnissen des Kindes zuwendet. Wenn ein Baby schreit und niemand kommt, dass ist das wie ein Todesurteil, entsprechend haben unterversorgte Babys Todesangst. Wenn Kinder eine empathische Berührung, Augenkontakt, Wohlwollen und Trost erfahren, dann hat das noch nicht voll ausgereifte Nervensystem keine andere Wahl als eine Strategie zu finden, wie es diesen Notstand überlebt. Vom Rebellen, der zumindest noch „negative“ Aufmerksamkeit bekommt, bis zum stillen Mäuschen ohne Regung und Emotionen finden Kinder die unterschiedlichsten Wege zurecht zu kommen, zu überleben. Während die Eltern sich womöglich freuen so ein pflegeleichtes Kind zu haben, läuft in dem Kind ein Notfallplan, der Spuren bis in das Erwachsenenalter ziehen kann.

Solche Spuren können !!! z.B. Foldgendes sein:

(eine solide Differentialdiagnostik ist selbstverständlich erforderlich)

– chronische Schmerzen, komplexe Schmerzsyndrome, Rheuma, Fibromyalgie
– Herz-Kreislauf-Symptome wie erhöhter Blutdruck, Schlaganfall
– Über/Untergewicht, Diabetes Typ2, Essstörungen
– Verdauungsstörungen
– Autoimmunerkrankungen
– neurologische Ausfallerscheinungen, Empfindungsstörungen
– chronische Erschöpfung, Burn out, Überarbeitung, Migräne
– chronische innere Unruhe, Ängste, Gedankenkreisen
– manische / depressive Phasen
– Perspekitv- oder Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Hilflosigkeit
– mangelnde Anpassungsfähigkeit / übermäßige Anpassung
– vermindertes Selbstwertgefühl, Selbstabwertung, Selbstablehnung, Härte gegen sich selbst
– offene Fragestellungen zu Identität, Selbstbild, Weltbild
– wiederkehrende Schwierigkeiten in Paarbeziehungen
– wiederkehrende Schwierigkeiten mit anderen Personengruppen
– Fragestellungen aus dem Bereich der Geschlechter und Sexualität
– Schwierigkeiten mit Menschenmengen, Geräuschen, Gerüchen usw.
– Flashbacks
– Schlafstörungen
– Schwierigkeiten mit angemessenen Reaktionen auf Alltagsereignisse
– Schwierigkeiten im Alltag zur Ruhe zu kommen, angemessene Pause zu machen
– Schwierigkeiten zu genießen oder sich Angemessenes zu gönnen
– Schwierigkeiten die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen
– das Leben mit Abstand, wie durch eine Scheibe wahrzunehmen
– übermäßige Emotionen oder Emotionslosigkeit, verminderte Empathie
– … so wie ganz individuelle Symptome, die sich nicht klassifizieren lassen

Ein Buch hierzu, dass auch für Klienten gut zu lesen ist, ist „Der Mythos vom Normalen“ von Gabor Maté.